Bremer Community: Soziales Netzwerk für Bremen und umzu

Black Friday ohne Reinfall: So erkennst du echte Angebote und Fake-Shops

Frank
Verifizierter Benutzer
11 Min. Lesezeit
0
Kommentare
6
Aufrufe

Bald prasseln die Rabatte wieder im Minutentakt aufs Handy: minus 50 Prozent hier, nur noch heute dort, angeblich fast ausverkauft überall. In den Wochen bis Ende November lässt sich tatsächlich Geld sparen. Genauso leicht zahlt man aber für einen Rabatt, den es nie gab, oder überweist Geld an einen Shop, der nie liefert. Dazu kommen in diesem Jahr zwei Neuerungen: eine zusätzliche Gebühr für Pakete aus Nicht-EU-Ländern und strengere Regeln für das Bezahlen auf Raten oder später.

Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch die Schnäppchenzeit: von der Wunschliste über die Preisprüfung und den Shop-Check bis zur richtigen Zahlungsart und zum Widerruf. Du brauchst dafür kein Vorwissen, nur ein paar Minuten vor jedem größeren Kauf.

Die wichtigsten Termine auf einen Blick

  • Mittwoch, 11. November: Singles Day. Der aus China stammende Rabatt-Tag findet immer am 11.11. statt und wird auch in Deutschland von immer mehr Händlern genutzt.
  • Freitag, 20. November: Neue Regeln für Ratenkauf und "Jetzt kaufen, später zahlen" treten in Kraft.
  • Freitag, 27. November: Black Friday.
  • Montag, 30. November: Cyber Monday.

Am Singles Day sind vor allem Mode, Beauty, Gadgets und Technik-Zubehör stark reduziert. Bei großer Technik wie Fernsehern oder Notebooks ist die Auswahl kleiner, dafür eignet sich die Black Week meist besser. Beide Termine haben eines gemeinsam: Die Rabatthöhen schwanken stark, und manche Prozentzahl bezieht sich auf eine überhöhte Preisempfehlung.

Schritt 1: Wunschliste schreiben, bevor die Aktionen starten

Der einfachste Schutz vor Fehlkäufen beginnt ohne Internet. Schreib auf, was du wirklich brauchst, und zwar möglichst mit genauer Modellbezeichnung. Lege auch einen Höchstbetrag fest, den du pro Produkt ausgeben möchtest. Wer erst am Aktionstag durch die Angebote scrollt, entscheidet nach Rabatt statt nach Bedarf.

Achte dabei auf die Modellnummer. Sie entscheidet darüber, ob du beim Preisvergleich wirklich dasselbe Gerät vor dir hast. Lass dich außerdem nicht von Countdowns oder Hinweisen wie "fast ausverkauft" antreiben. Solche Elemente gelten oft als Dark Patterns, also als Gestaltungstricks, die dich unter Zeitdruck setzen sollen. Wer ruhig bleibt, kann vergleichen.

Schritt 2: Preisverlauf prüfen

Ein Rabatt sagt nur etwas aus, wenn du den üblichen Preis kennst. Deshalb gehört der Blick in den Preisverlauf vor jeden größeren Kauf.

  1. Öffne ein Vergleichsportal wie idealo, billiger.de oder Geizhals.
  2. Suche nach der genauen Modellbezeichnung von deiner Liste.
  3. Sieh dir die Preisentwicklung der letzten Wochen an und notiere den üblichen Preis.
  4. Stelle einen Preisalarm ein. Dann bekommst du eine Nachricht, sobald dein Wunschpreis erreicht ist, auch außerhalb der Aktionstage.

Am besten fängst du jetzt damit an und nicht erst am Black Friday. Dann siehst du, ob ein Preis kurz vor der Aktion nach oben gezogen wurde, und erkennst, was der angebliche Tiefstpreis wirklich wert ist. Liegt das Angebot am Aktionstag nicht unter dem, was du in den Wochen davor gesehen hast, kannst du dir den Kauf sparen oder in Ruhe warten.

Schritt 3: Rabatte richtig lesen

Viele große Prozentzahlen beruhen auf der unverbindlichen Preisempfehlung, kurz UVP. Sie liegt meist über dem Preis, zu dem ein Produkt im Handel tatsächlich verkauft wird. So entsteht ein Scheinrabatt: Das Minus sieht beeindruckend aus, der echte Vorteil gegenüber dem normalen Marktpreis ist aber klein oder gar nicht vorhanden.

Hilfreich ist eine Regel, die viele Käufer nicht kennen. Wirbt ein Händler mit einer Preissenkung, muss er den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den er für das Produkt in den letzten 30 Tagen verlangt hat. Das gilt im Laden und online. Der Bundesgerichtshof hat im Oktober 2025 klargestellt, dass diese Angabe klar erkennbar und gut lesbar sein muss. Eine kleine Fußnote reicht nicht. In dem Fall ging es um Kaffee, der mit minus 36 Prozent beworben wurde.

Für dich heißt das: Such bei einem Angebot gezielt nach dem 30-Tage-Preis und vergleiche ihn mit dem Aktionspreis. Findest du ihn nicht oder ist der Abstand winzig, ist das Angebot weniger wert, als die Werbung behauptet. Ob sich der Kauf lohnt, zeigt erst der Vergleich mit anderen Shops aus Schritt 2.

Schritt 4: Den Shop prüfen, bevor du bestellst

Fake-Shops sehen oft professionell aus und zeigen sogar Bewertungen und Prüfsiegel. Am Ende zahlst du für Ware, die nie ankommt, oder bekommst Fälschungen und deutlich schlechtere Qualität. Gerade unbekannte Shops aus Suchergebnissen oder Social-Media-Werbung solltest du deshalb immer prüfen.

Der schnelle Check mit dem Fakeshop-Finder

Die Verbraucherzentrale bietet dafür ein kostenloses Werkzeug an. Du gibst die Adresse des Shops in den Fakeshop-Finder ein und bekommst nach kurzer Zeit ein Ampel-Ergebnis:

  • Grün: Der Shop ist nicht negativ aufgefallen und steht auf einer geprüften Liste. Eine sichere Zahlungsart solltest du trotzdem wählen.
  • Gelb: Das Ergebnis ist unklar. Prüfe den Shop selbst und zahle auf keinen Fall per Vorkasse.
  • Rot: Der Shop ist bereits als Fake-Shop aufgefallen. Such das Produkt lieber woanders.

Diese Warnzeichen erkennst du selbst

  • Auffällige Adresse: Zusätzliche Endungen wie ".de.com" statt ".de" oder ein Sortiment, das nicht zum Namen der Seite passt.
  • Vorkasse am Ende: Erst werden mehrere Zahlungsarten angezeigt, im letzten Schritt bleibt nur die Überweisung.
  • Preise deutlich unter Marktwert: Ein neues Smartphone zum halben Preis ist ein Warnsignal. Nicht jeder günstige Shop ist ein Fake, aber genaueres Hinsehen lohnt sich.
  • Fehlendes oder lückenhaftes Impressum: Es muss Adresse, Vertretungsberechtigte und E-Mail-Adresse nennen, gegebenenfalls auch eine Handelsregisternummer. Fehlt das Impressum ganz, solltest du nicht bestellen.
  • Gefälschte Siegel: Klick auf das Siegel. Führt es nicht zum Zertifikat des Shops bei der ausstellenden Stelle, ist es vermutlich gefälscht.
  • Merkwürdige Bewertungen: Nur Lob im Shop, während man anderswo Warnungen findet. Such deshalb nach dem Shopnamen und dem Wort "Erfahrungen".
  • Schlechte oder fehlende AGB: Texte, die nach Übersetzungsprogramm klingen, sind ein weiteres Indiz.
  • Vertröstungen: Wenn nach der Bestellung nur Ausreden über angebliche Lieferschwierigkeiten kommen.

Die Polizei fasst das Vorgehen in drei Worten zusammen: stoppen, hinterfragen, schützen. Halte vor dem Bezahlen inne, wenn ein Preis weit unter dem Marktwert liegt. Frage dich, ob der Shop etabliert ist, ein Impressum hat und welche Zahlungsarten er anbietet. Und sichere dich ab, indem du Screenshots und Bestellbestätigungen aufhebst.

Sonderfall Dropshipping

Nicht jeder problematische Shop ist Betrug. Manche Dropshipping-Shops werben mit Rabatten wie minus 70 Prozent und lassen die Ware aus Fernost verschicken. Dann sind Rücksendungen oft schwierig, und europäische Standards werden häufig nicht eingehalten. Auch hier hilft die Suche nach Erfahrungsberichten zum Shop und zum Produkt.

Schritt 5: Sicher bezahlen

Die Zahlungsart entscheidet, ob du dein Geld im Problemfall zurückbekommst. Eine grobe Reihenfolge hilft bei der Wahl:

  1. Kauf auf Rechnung: Am besten, denn du zahlst erst, wenn die Ware da ist.
  2. Kreditkarte oder Lastschrift: Beide sind sicherer als eine Überweisung. Eine SEPA-Lastschrift kannst du innerhalb von acht Wochen ab Kontobelastung zurückbuchen lassen. Bei der Kreditkarte wendest du dich zuerst an den Händler und danach an deine Bank, die ein sogenanntes Chargeback-Verfahren einleiten kann.
  3. Zahlungsdienste mit Käuferschutz: Auch sie können sicher sein, wenn du die Bedingungen des Käuferschutzes kennst.
  4. Vorkasse per Überweisung: Meide Shops, die nur das anbieten. Im Problemfall ist das Geld kaum zurückzuholen.

Noch ein Punkt für die Kasse: Für Zahlungen per Girokarte, Kreditkarte, SEPA-Lastschrift und SEPA-Überweisung dürfen laut EU-Recht keine Zusatzgebühren verlangt werden.

Neu seit 1. November: Gebühr auf Pakete aus Nicht-EU-Ländern

Wer bei Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress bestellt, sollte die Gesamtkosten genauer anschauen. Seit dem 1. November fällt für Online-Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern, etwa aus China, den USA oder der Schweiz, eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro je Warenposition an. Bereits seit dem 1. Juli gilt für Direktimporte unter 150 Euro ein Pauschalzoll von drei Euro pro Warenkategorie.

Entscheidend ist die Zolltarifierung, nicht die Zahl der Pakete oder Einzelstücke. Identische Artikel in einem Paket zählen nur einmal. Eine Handyhülle und ein USB-C-Kabel sind dagegen zwei Positionen: Das ergibt sechs Euro Pauschalzoll plus vier Euro Gebühr, zusammen also zehn Euro.

Direkt bezahlen musst du diese Gebühr nicht, denn zuständig sind Händler, Plattformen und Importeure. Der Handel erwartet aber, dass zumindest ein Teil über höhere Preise oder Versandkosten bei den Kunden landet. Gerade bei sehr billigen Produkten kann der scheinbare Preisvorteil damit schrumpfen. Vergleiche deshalb immer den Endpreis im Warenkorb, auch mit Händlern aus der EU.

Neu ab 20. November: Strengere Regeln für später Zahlen und Raten

Ab dem 20. November gilt das Verbraucherkreditrecht auch für Angebote, die bisher weitgehend ausgenommen waren. Dazu zählen Kleinkredite unter 200 Euro, zinsfreie Ratenkäufe und "Jetzt kaufen, später zahlen", etwa über Bezahldienste wie PayPal oder Klarna. Für dich ändert sich damit Folgendes:

  • Anbieter müssen auch bei kleinen Beträgen vor Vertragsschluss prüfen, ob du zurückzahlen kannst.
  • Kosten und Risiken müssen klar erklärt werden, die Werbung darf nicht irreführen.
  • Lehnt allein ein Algorithmus deinen Antrag ab, hast du Anspruch auf eine Prüfung durch einen Menschen.
  • Daten aus sozialen Netzwerken und Gesundheitsdaten dürfen für die Kreditprüfung nicht verwendet werden.
  • Bei Zahlungsproblemen sollen Anbieter vor einer Kündigung Lösungen wie eine längere Laufzeit oder Stundung anbieten.

Der klassische Kauf auf Rechnung bleibt in der Regel möglich. Er fällt nicht unter die neuen Regeln, wenn er gebührenfrei ist, kein Dritter finanziert und die Zahlungsfrist kurz bleibt. Wie Anbieter die Vorgaben im Detail umsetzen, war zuletzt noch offen. Rechne damit, dass ein Ratenkauf durch die genauere Prüfung etwas länger dauert.

Unabhängig von den neuen Regeln gilt: Mehrere kleine Später-Zahlungen addieren sich schnell. Trag sie dir deshalb mit Fälligkeitsdatum in den Kalender und kaufe auf diese Weise nur, was du auch sofort bezahlen könntest.

Schritt 6: Nach dem Kauf, Widerruf und Retoure

Auch am Black Friday gilt das normale Widerrufsrecht. Online-Bestellungen kannst du in der Regel innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem du die Ware erhältst. So gehst du vor:

  1. Bestellbestätigung aufheben. Speichere sie zusammen mit einem Screenshot des Angebots.
  2. Widerruf erklären. Nutze das Formular des Shops oder den Widerrufsbutton. Seit dem 19. Juni 2026 müssen Unternehmen eine solche Funktion anbieten, wenn über ihre Webseite Verträge geschlossen werden können. Sie muss gut sichtbar sein und gilt auch für Apps und Händler auf Marktplätzen. Ohne Formular hilft der Musterbrief der Verbraucherzentrale: ausgedruckt ins Paket legen und zusätzlich per E-Mail oder Kontaktformular schicken.
  3. Rücksendung vorbereiten. Prüfe die Rücksendeadresse, denn das Porto kann sonst unnötig hoch ausfallen. Die Originalverpackung ist nicht erforderlich, der Händler darf die Rücknahme deswegen nicht verweigern.
  4. Rücksendekosten klären. Du musst sie tragen, wenn der Verkäufer das vor dem Kauf in seinen Bedingungen angegeben hat.
  5. Erstattung kontrollieren. Der Shop soll den Kaufpreis zeitnah erstatten, sobald die Ware zurück ist. Lass dich nicht mit einem Rabattangebot vom Widerruf abbringen.

Ausnahmen gibt es unter anderem bei online gebuchten Reisen, Veranstaltungstickets, verderblicher Ware und personalisierten Artikeln. Im Laden besteht übrigens kein gesetzliches Rückgaberecht. Ist ein Produkt defekt, gilt das auch für reduzierte Ware: Bis zu zwei Jahre nach dem Kauf kannst du Reparatur oder Austausch verlangen, in manchen Fällen auch eine Erstattung.

Reingefallen? Das solltest du sofort tun

  1. Bank kontaktieren. Melde dich sofort bei deiner Bank oder deinem Zahlungsdienst. Je nach Tageszeit und Bank bleiben nur Sekunden bis wenige Stunden, um eine Überweisung vielleicht noch zu stoppen. Eine Lastschrift lässt sich bis zu acht Wochen zurückholen.
  2. Beweise sichern. Speichere Bestellbestätigung, E-Mails und Screenshots des Angebots.
  3. Anzeige erstatten. Das geht bei der Polizei vor Ort oder online über die Internetwachen.
  4. Beraten lassen. Lass deine Unterlagen von der nächstgelegenen Beratungsstelle der Verbraucherzentrale prüfen.

Häufige Fragen

Lohnt sich der Black Friday überhaupt?

Für Produkte, die du ohnehin kaufen wolltest und deren normalen Preis du kennst, kann er sich lohnen. Ein Preisalarm zeigt dir aber auch außerhalb der Aktionstage gute Angebote.

Woran erkenne ich am schnellsten einen Fake-Shop?

Prüfe die Adresse im Fakeshop-Finder, sieh ins Impressum und achte darauf, ob am Ende nur noch Vorkasse angeboten wird.

Ist ein Prüfsiegel ein sicheres Zeichen?

Nur wenn es zum Zertifikat des Shops führt. Sonst kann es erfunden oder kopiert sein.

Muss ich die neue Paketgebühr selbst an den Zoll zahlen?

Nein, direkt nicht. Sie kann aber über den Preis oder die Versandkosten bei dir ankommen.

Geht der Kauf auf Rechnung ab dem 20. November noch?

In der Regel ja. Zahlungsfristen und Bedingungen können sich aber je nach Anbieter unterscheiden, also lies sie im Bezahlschritt nach.

Kann ich Black-Friday-Ware zurückschicken?

Ja, online gekaufte Ware grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt. Die Ausnahmen stehen oben in Schritt 6.

Passendes Angebot zum Thema

Wer online gern mit Kreditkarte zahlt, findet in diesem Vergleich Karten verschiedener Anbieter: TARIFCHECK Kreditkarte vergleichen*.

*Affiliate-Link: Für Käufe oder Abschlüsse über diesen Link erhält Bremer Community ggf. eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.