Der Betrieb und sein Umfeld – Worum geht es?

  • Welche Ziele verfolgt ein Unternehmen?
  • Wie misst man das Ergebnis produktiven Handelns?
  • Welche Arten von Betrieben gibt es eigentlich?
  • Was versteht man unter betrieblichen Produktionsfaktoren?
  • Inwieweit sind die Funktionsbereiche eines Unternehmens miteinander verknüpft?
  • Welche Probleme und Verpflichtungen ergeben sich aus dem Verhältnis Unternehmen – Umwelt?
  • Was versteht man unter Inputs/Outputs?

Der Betrieb und sein Umfeld – Lernziele

  • Sie sollten Unternehmensziele nennen und diese Ziele in ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft kritisch beurteilen können.
  • Sie sollten Messzahlen für das Ergebnis produktiven Handelns kennen und anwenden können.
  • Sie sollten Betriebstypen und betriebliche Produktionsfaktoren unterscheiden und deren Merkmale erläutern können.
  • Sie sollten betriebliche Funktionsbereiche nennen und ihre Verknüpfung darlegen können.
  • Sie sollten begründen können, warum Umwelt und Unternehmen in Wechselbeziehung zueinander stehen.
  • Sie sollten Inputs von Outputs unterscheiden können.

Unternehmensziele

Unternehmen,die es sich zur Aufgabe machen,die Bevölkerungmit bestimmten Leistungenzuversorgen und dabei keinen Gewinn zu erzielen,vielmehr nur ihre Kosten decken wollen,arbeiten nach dem gemeinwirtschaftlichen Prinzip (z.B.: öffentliche Verkehrsbetriebe).
Grundsätzlich kann manjedochdavon ausgehen,dass Unternehmen nach dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip handeln, d. h. als Unternehmenszieleinen höchstmöglichen Gewinnanstreben.
● Gewinn und Rentabilität stehen für die meisten Wirtschaftsbetriebeim Vordergrund. Allerdings muss hier bedachtwerden, ob kurzfristigoderlangfristig die Gewinneerzielt unddamit eine entsprechende Rentabilitäterreichtwerdensoll. Wird langfristiggedacht,setzt dasoft voraus,dassvorübergehendnur eingeringeroder sogargarkeinGewinnerwirtschaftetwird.Auchbeider Rentabilität istfestzulegen, welche Rentabilität gemeintund gewolltist:Die Gesamtkapitalrentabilität(dabei wird derGewinneinschließlich gezahlterZinsenauf dasGesamtkapital bezogen) oder die Eigenkapitalrentabilität(Gewinn bezogenauf daseingesetzteEigenkapital),vgl.dazu Abschnitt1.1.1.
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● Umsatzdarfnichtumjeden Preisgemacht werden.Das UnternehmenszielUmsatzsteigerung muss deshalbandereUnternehmensziele (z.B.Gewinn, Marktmacht) unterstützen.Esist nichtnur dieabsolute Höhe desUmsatzeswesentlich,sondern dieUmsatzrendite entscheidet überden Erfolg. Es muss beispielsweise geprüftwerden, ob nichtdurch höhere Preise unddadurch verminderten Umsatz eine höhere Renditezuerwirtschaften ist.
● Sicherheit/Erhaltung desUnternehmens. Dieses Ziel stehtbei jungen Unternehmen meistnicht im Vordergrund. Langjährig bestehende Unternehmen ebenso wie Betriebe miteinem Management, dasseine Aufgabeauchvorrangig darinversteht, sichereArbeitsplätze fürdie Mitarbeiterzuerhalten,können dieses Ziel überdas Gewinnstrebensetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird manbeispielsweisedie Sicherung derLiquidität starkinden Vordergrundstellen.Dannverbieten sich z.B. zu hohe Gewinnausschüttungenvon selbst.
● Wirtschaftlichkeitund Produktivität spieleninallen Betriebeneineentscheidende Rolle. Siesindjedochmeist anderenZielenuntergeordnet. Dieses Ziel spielt aber eine besondersgroßeRolle in so genannten gemeinwirtschaftlichen Betrieben(z.B. VersorgungsunternehmeninderHanddesStaates,staatliche oderkommunaleKrankenhäuser),ebensowie in Betrieben, dieals Gemeinschaftseinrichtungen aufgebaut sind (z.B.Genossenschaften). Absolute Maßstäbefürdie Wirtschaftlichkeit undProduktivität sind nurschweraufzustellen. AlsHilfsmaßstab dienen deshalbmeist die Kosten,wobei diebesten Vergleichswertedie Stückkosten sind. Aberauchandere Maßstäbewerdenherangezogen,z.B.AnzahlbearbeiteterFällejeZeiteinheit,Anzahl dertäglichen Schreibleistungeiner Schreibkraft usw. (vgl.dazu Abschnitt1.1.1).
● Machtund Prestige. VondiesenbeidenZielenwirddas Ziel Machthäufigerangestrebt. DabeigehtesimAllgemeinen um eine entsprechendeMarktmacht(Vergrößerungdes Marktanteils), insbesondere durchden Versuch, eine marktbeherrschendeStellungaufzubauen. Prestige,d.h.Anerkennung desUnternehmensinder Öffentlichkeit,kanndurch verschiedeneMaßnahmenerreicht werden(z.B.vorbildlicheSozialleistungen,Ausstattung vonStatussymbolen, wieGebäuden, Spenden, Unterstützung kultureller Einrichtungen).Ein entsprechendes Prestige hilftauchstark beider Beschaffung geeigneter Mitarbeiter. ● Unabhängigkeit. Dieses Ziel spielt insbesondere beikleineren undmittleren Unternehmen eine entscheidendeRolle.Man will nichtvon Dritten abhängig sein und zögert deshalbbeispielsweisemit derAufnahmevon Fremdkapital.Inmanchen Fällen kann dasBestreben nach Unabhängigkeit aber auch einergesunden wirtschaftlichenWeiterentwicklungundAnpassunganveränderteMarktgegebenheiten im Wege stehen. ● Ethische Ziele. SiestehenimAllgemeinen beiUnternehmen nichtimVordergrund. Deutlichwerdensie,wennUnternehmen/Betriebegegründet werden,die z.B. der Unterstützung derArbeitreligiöserOrganisationen dienen. ● SozialeZiele. Hier kann es beispielsweise darumgehen,Arbeitsplätze fürsonst schwer vermittelbareMenschenzuschaffen(Behinderten-Werkstätten)oderum andere sozialeAufgabenzuerfüllen (z.B.Dritte-Welt-Läden,die sowohl in unterentwickelten LändernArbeitsplätze schaffen alsauchGewinne fürsoziale Aufgabenerwirtschaften wollen). ● Marktanteil. DieVergrößerungdes Marktanteils kann nurauf Kosten derKonkurrenten erfolgen. FürNeulinge aufdem Marktist derprozentuale Marktanteilein deutliches Barometerfürden Grad derWertschätzung ihrerProdukte.Dieswurde deutlich,als japanische Autohersteller ihre Wageninder Bundesrepublik Deutschland anboten undman sehrgespannt dieEntwicklung derMarktanteileverfolgte.
1.1.1Maßstäbefür dasErgebnisproduktiven Handelns (Wirtschaftlichkeits-, Produktivitäts-und Rentabilitätszahlen)
Um beurteilen zu können,obein BetriebimBereich derFertigungsverfahren undbei denherzustellenden Erzeugnissen rationellgearbeitetund sein Ziel – z. B. nach Ablauf einerPeriode –erreichthat,benutzt manMesszahlen. Dabei genügt es nicht, nur eine Zahl zu verwenden, ausder sich derErfolgoderMisserfolgablesenlässt.Vielmehrist es sinnvoller,dafürstets mehrereKennzahlenheranzuziehen, vorallem diefürWirtschaftlichkeit,Produktivitätund Rentabilität.